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Griesgasse 40

geschrieben am 15. November 2012

Ein Treffen bei dem sich Erwachsene, die in keiner Beziehung zueinander stehen, Glück bringen sollen. Geht das? Ich sage ja, denn ich war dabei.

17:00

Die TeilnehmerInnen schwirren langsam herein. Man kann ihnen ansehen, dass der Tag lang, anstrengend und arbeitsintensiv war. Ich kann sie förmlich denken hören. „Wozu habe ich mich da wieder hinreißen lassen? Zuhause wartet eine gemütliche Stube, der Staub sollte auch dringend gesaugt werden. Naja, geben wir dem Ganzen mal eine Chance.“

Auch mein Tag war lang. Bringen wir das Ganze über die Bühne.

Wir setzen uns in einen Kreis. Der Tee wird gerne angenommen. Es ist ja auch hier ein bisschen gemütlich. Dani erzählt vom kleinen Glück, das sie gerne verbreitet. Autoscheiben an der Tanke waschen zum Beispiel. Die Leute würden oft gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Warum macht jemand so etwas? Das gefällt den TeilnehmerInnen. Fast jeder hat dann auch plötzlich eine Geschichte auf Lager, wo kleines Glück verabreicht wird. Offensichtlich ist man nicht zur Gänze Exot, wenn man sich traut, öffentlich etwas Nettes zu tun. Aus einem geplanten Gesprächsimpuls wird ein nettes Pläuschchen über die Bedeutung von großem und kleinem Glück.

Planmäßig werden wir dann in Zweiergruppen gelost. Wir sollen uns in 20 Minuten ein kleines Glück bereiten. Instant Glück sozusagen. Ein bisschen durften wir uns schon kennenlernen, daher habe ich keine Angst, es könnte kein flüssiges Gespräch zustande kommen. Ich erzähle meiner Partnerin, dass ich beim letzten Workshop etwas für mein Gegenüber gehäkelt hatte. Schon steht unser Glück fest. Ich zeige ihr mit vereinfachten Mitteln, wie man häkelt und was man alles mit dieser Technik erzeugen kann. Auch mein Glück ist somit passiert. Ich freue mich wie wild (besonders als angehende Lehrerin für textiles Werken), wenn sich jemand fürs Handarbeiten interessiert. Während der Häkelplauderei tauchen wir in ein sehr nettes Gespräch ein. Als würden wir uns schon lange kennen. Was, die 20 Minuten sind schon vorbei?

Wir treffen uns wieder als Gruppe im Kreis und erzählen uns von unserem Glück. Auch die anderen scheinen sehr nette Ideen und Minuten geteilt zu haben. Ich kann nicht im Detail wiedergeben, was alles geschenkt wurde. Ich bin nur wieder einmal erstaunt, wie intensiv und produktiv manche Momente im Leben sein können. Von Müdigkeit und Abgespanntheit sehe ich nichts mehr. Niemand denkt daran schnell nach Hause zu hetzen. Ich würde gerne noch etwas bleiben um mit diesen lieben Menschen zu plaudern. Leider bin ich verabredet und muss als Erste gehen. Ich freue mich trotzdem schon sehr darauf, denn ich werde von meinem Partner bekocht. Habe ich heute ein Glück!